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OPEN DOORS FESTIVAL 2015

Unbenebelt völlig breit


Die Welt der Magie und Zauberkunst, der Schamanen und Medizinmänner, des Aberglaubens und der schwarzen Macht ist wahrlich groß. Auch heutzutage noch. Zu Zeiten, als Steine noch als Zahlungsmittel galten und man seine Nahrung noch lange nicht im Kühlregal jagen und erlegen konnte, waren Übersinnlichkeit und dunkle

Mächte bereits große Thematiken in der angehenden Zivilisation.


Wilde Kreaturen mit furchteinflößenden Krallen, gestählte Kämpfer mit gespitzten Speeren und zahnlose Geschöpfe mit Felljacken und feurigen Augen glaubten an die Kraft der Paranormologie, verstreuten Kräuter und Gräser über Feuerstellen und

gewannen somit die ersten Erfahrungen im Umgang mit Halluzinogenen. Kleinste Bestandteile der ätherischen Substanzen flogen von Thermik getrieben und Muskelkontraktion gesteuert in die Atemwege und verbreiteten sich in Windeseile in der schwammigen grauen Masse hinter den Augen. In Wahnvorstellungen glaubte man an Glück, an Schicksal und an böse Mächte, welche einen ins Reich der ewig Verdammten befördern konnten. Viele tausend Jahre danach entwickelte sich daraus ein wahrer

Hype positiv gesinnter Individuen, welche fernab von negativen Gedanken ihren Lebenswillen glücklichund aktiv zu gestalten wissen. Der Hoodoo ist geboren und mit ihm nimmt der Konsum an bewusstseinserweiternden Substanzen biologischer Natur erheblich zu. In unserer Kultur, in der Kunst und Musik immer mehr an Wichtigkeit gewinnt, erweitern sich so manche Geister proportional zu guter Laune im Quadrat eines einzelnen Abergläubigen. Talismänner und spirituelle Konversationen gehören

genau so zum Alltag, wie Reggae, Rhythm und Blues. Die heute längst verbotenen

Genussmittelkonsumgüter waren damals medizinisch verordnet. So ist in den Köpfen der Menschen ein farbenfrohes Durcheinander entstanden, in dem sich Drachen mit Blumen bekämpften und sich Erdbeeren mit sich drehenden Kreisen paarten.


Der Mojo war geboren und fand Einzug in die Subkultur einer doch so frisch keimenden offenherzigen Gesellschaft junger Leute. Mojo ist ein Lebensgefühl der 60er und 70er Jahre, welches sich nicht wirklich mit Worten beschreiben lässt. Ähnlich wie Groove ist

Mojo ein Begriff für das Undefinierbare. Entweder hat eine Band Groove, oder hat sie keinen Groove, denn Groove steht nicht in den Noten, nicht in der Tabulatur, nicht in der Partitur – man muss es fühlen. Wenn es in der Hüfte zuckt, dann ist es Groove, wenn es in der Hose kribbelt, dann sprechen wir von Mojo. Die Lendengegend spielt bei der Musik aus längst vergangenen Dekaden offenbar eine recht große Rolle. Mojo kann allerdings auch in vielen weiteren Lebensabschnitten auftauchen, zum Beispiel in der Freizeitgestaltung oder auch im Fortpflanzungstrieb. Eine Art Libido, wie sie doch auch häufig in der Musik aufgegriffen und im besten Falle sogar mit Groove verknüpft wird.


Die Generation von heute, welche lange nach den Poppern, Metallern, Grungern, den Boardern und Chillern auf der Bildfläche auftauchte, würde einfach „Swag“, „Yolo“ oder „Gönn dir“ sagen, was im Prinzip das Gleiche meint. Zum Abendessen gibt’s heute Swaghetti mit Yolonese. In Afrika wachsen Leberwürste an Bäumen. Verrückt. Aber Mojo lässt sich tatsächlich mit einem breiten Grinsen bei deutlich erweiterten Pupillen beschreiben.


Mojotree ist eine aus diesem Lebensgefühl entstandene Band, welche sich voll und ganz auf die positiven Schwingungen der guten alten Rockmusik fixiert hat und somit vielen Menschen mit einem soliden Musikgeschmack völlig clean und unbenebelt für eine kurze Zeit das Leben versüßt.


Quelle: Open Doors 2015, Foto Gareth Tynan


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